Während des gesamten Lehrgangs arbeiten die Teilnehmenden der Masterclass «Gestalten mit Pflanzen» gemeinsam an einem Gartenprojekt. Dieses umfasst die Planung, Ausführung und Pflege eines neuen Gartenteils, der im Gartenatelier in Domat/Ems entsteht.

Sumbrivagarten


Ziel dieser Praxisarbeit ist es, eine experimentelle Pflanzbereich im Schattengarten zu entwerfen, umzusetzen und über mehrere Jahre zu begleiten, basierend auf den Prinzipien der syntropischen Pflanzenverwendung – angewandt auf Gartenbau und Landschaftsarchitektur.

AUSGANGSLAGE

Der zukünftige Sumbriva-Garten (Schattengarten) im Gartenatelier Domat/Ems entsteht in einem dicht bewachsenen Gehölzraum mit einem seit Jahrzehnten gewachsenen Wurzelgefüge.

Besonders prägend sind die in den 1970er-Jahren gepflanzten Picea pungens ‘Glauca’. Heute weisen sie ein dichtes, oberflächennahes Wurzelsystem auf, das die Wasserverfügbarkeit und die Bodenstruktur wesentlich beeinflusst. Das unterirdische Gefüge wird von einer einzigen Gehölzart dominiert und bislang kaum durch andere Wurzeltypen ergänzt.

Der Standort ist von trockenem Schatten und Regenschatten unter den Kronen bestimmt. Nadelstreu und fortschreitende Holzabbauprozesse haben den Boden leicht versauert. Neue Pflanzungen finden daher anspruchsvolle Startbedingungen vor – zugleich eröffnet genau diese Ausgangslage ein grosses Potenzial, das bestehende System gezielt zu erweitern und differenzierter zu gestalten.

Das Mikroklima verändert sich kleinräumig. Kronenlücken lassen unterschiedlich viel Licht einfallen und schaffen wechselnde Bedingungen, die sich in der Pflanzplanung bewusst nutzen lassen. Der Sumbriva-Garten wird dabei als lebendiges Gefüge verstanden: Feuchtigkeit, Bodenreaktion und Licht variieren von Ort zu Ort; temporäre Störungen und langfristige Entwicklungsprozesse greifen ineinander.

Diese Voraussetzungen gelten nicht als Mangel, sondern als produktiver Ausgangspunkt für ein experimentelles Arbeiten mit syntropischer Pflanzenverwendung. Ziel der Praxisarbeit ist es, das einseitig aufgebaute Wurzelsystem schrittweise zu ergänzen und durch vielfältige Pflanzengemeinschaften weiterzuentwickeln. Robuste Stauden, Farne, Geophyten und schattenverträgliche Unterwuchsgehölze werden so kombiniert, dass unterschiedliche Wurzeltiefen, Wachstumsrhythmen und funktionale Eigenschaften ineinandergreifen. Auf diese Weise entsteht ein tragfähiges, resilientes Pflanzgefüge.

Bestehende Gehölze wie Taxus baccata sowie die Fichten bleiben grundsätzlich erhalten und werden in die Gestaltung integriert. Wo es für die Weiterentwicklung des Systems sinnvoll ist, können einzelne Gehölze gezielt entnommen werden. Solche Eingriffe erfolgen schrittweise und sind Teil eines langfristigen Lern- und Entwicklungsprozesses.

Die Praxisarbeit versteht sich als Einladung, das Zusammenspiel von Wasserverfügbarkeit, Lichtverhältnissen, Bodenprozessen und pflanzlichen Wechselwirkungen gestalterisch zu untersuchen und zu interpretieren. Daraus soll eine eigenständige, klimaresiliente und zeitgemässe Ästhetik des Schattengartens entstehen – getragen von Beobachtung, Experiment und systemischem Denken.

FOTOS: BEAT GRAF

ZIEL

FOTO: BEAT GRAF

Die Übung versteht sich nicht als klassische Pflanzplanung, sondern als gestalterisches und pflegerisches Experiment, das folgende Fragen untersucht:

  • Wie kann syntropisches Denken auf Zierpflanzenverwendung im Schatten übertragen werden?
  • Wie lassen sich Schichtung, Sukzession, Pflege und Ästhetik in einem Pflanzsystem verbinden?
  • Welche Pflanzen übernehmen ökophysiologische Funktionen im System (Bodenaufbau, Wassermanagement, Biomasse, Beschattung, Symbiose)?
  • Wie verändert sich eine gestaltete Bepflanzung über die Zeit, wenn Pflege als gezielte Störung / Gestaltungsmittel verstanden wird?
  • Wie entsteht eine neue Ästhetik aus Dichte, Überlagerung, Entwicklung und Prozess?

  • Die Studierenden entwickeln keine statische Lösung, sondern ein dynamisches Pflanzsystem, das sich über mehrere Jahre verändert und weiterentwickelt.
AUFGABE

FOTO: BEAT GRAF

Die Teilnehmenden arbeiten in fünf Gruppen zu je drei Personen. Sie haben den Auftrag, eine Bepflanzung im Schattengarten des Gartenateliers Domat/Ems nach den Prinzipien eines syntropischen Pflanzsystems zu konzipieren, anzulegen und zu begleiten.

Die Bepflanzung ist als mehrschichtiges, dicht bepflanztes Ziersystem zu gestalten, das:

  • mit dem bestehenden Gehölzbestand arbeitet (nicht gegen ihn), den Boden dauerhaft bedeckt,
  • unterschiedliche Lebensdauern (kurz-, mittel- und langlebige Arten) kombiniert,
  • Pflege als Teil des Entwurfs begreift,
  • und eine eigenständige, zeitgenössische Ästhetik entwickelt.
  • Die Bepflanzung dient nicht der Produktion, sondern der gestalterischen Forschung: Wie kann ein syntropisches Pflanzsystem im Garten- und Parkkontext aussehen?
SCHWERPUNKT

1.

Syntropisches Pflanzenkonzept
Entwickelt ein Konzept, das auf folgenden Prinzipien basiert:

  • Maximierung der Photosynthese (Schichtung, Dichte, Zeit)
  • Sukzession als Gestaltungselement
  • Bodenbedeckung durch lebende Pflanzen und Mulch
  • Nutzung von Gehölzen, Sträuchern und Stauden als funktionale Elemente
  • Pflege (Schnitt, Rücknahme, Biomasse) als bewusste Intervention

2.

Schichtung und Raumaufbau
Die Bepflanzung soll in vertikalen Schichten gedacht werden:

  • Krautschicht (inkl. kurzlebige Arten)
  • mittlere Strauch- und Staudenebene
  • Gehölzschicht / Unterwuchsgehölze

Nicht die Höhe, sondern Lichtbedarf und Funktion bestimmen die Zuordnung.

3.

Pflanzenwahl nach Funktion
Die Pflanzen werden nicht nur nach Ästhetik ausgewählt, sondern nach Fragen wie:

  • Welche Funktion erfüllt die Pflanze im System?
  • Welche Arten fördern Bodenleben und Mykorrhiza?
  • Welche Pflanzen liefern Biomasse für Mulch?
  • Welche Arten puffern Trockenheit oder beschatten den Boden?
  • Welche Pflanzen stabilisieren das System über Zeit?

4.

Ästhetik im Prozess
Gestaltung wird nicht als Endbild verstanden, sondern als zeitlicher Prozess:

  • Dichte statt Ordnung
  • Überlagerung statt Trennung
  • Veränderung statt Fixierung

Die visuelle Wirkung im Schatten (Texturen, Blattgrössen, Glanz, Bewegung, Lichtfilterung) ist bewusst zu untersuchen.

FOTOS: BEAT GRAF

ARBEITSGRUPPEN

GRUPPE #1 NORD

CLAUDE

DAKODA

NANETT


GRUPPE #2 SCHATTEN

DAVID

MARCEL

MICHAEL


GRUPPE #3 WALD

LUCA

PATRICIA

TONY


GRUPPE #4 WASSER

INGA-MARIA

RONJA

SARAH


GRUPPE #5 SÜD

ELEA

FRANZISKA

PETRA